Die Kampfkunst
Was ist Aikido?
Aikido ist eine defensive Kampfkunst aus Japan, die von Morihei Ueshiba Mitte des 20. Jahrhunderts entwickelt wurde.
Die Bewegungen im Aikido sind meist rund und spiralförmig. Durch diese Bewegungen wird ein Angriff durch Um- oder Weiterleiten der Angriffsenergie so fortgeführt, dass der Verteidiger in eine für ihn günstige und kontrollierende Position kommt.
„Nicht das Besiegen des Partners, sondern die stetige Verbesserung der eigenen Fähigkeiten steht im Mittelpunkt."
Im Aikidotraining wird nicht die Schwäche des Partners zum eigenen Vorteil ausgenutzt. Das Training zeichnet sich als partnerschaftliches Miteinander aus – ich muss mich als Aikidoka auf den jeweiligen Partner einstellen: seine Größe, seine Fähigkeiten, seine Bewegungsmöglichkeiten.
Dadurch ist es im Aikidotraining möglich, geschlechts-, alters- und fähigkeitsunabhängig zu trainieren. Da es keine Wettkämpfe oder Vergleiche gibt – Gürtelprüfungen aber schon –, ist es möglich, ohne Frust auch mit fortgeschrittenen Aikidokas zu trainieren.
Geschichte & Philosophie
Unsere Linie
Morihei Ueshiba wurde am 14. Dezember 1883 in Tanabe, Japan geboren. Seine Erlebnisse im Russisch-Japanischen Krieg prägten ihn tief – er erkannte den Widerspruch zwischen zerstörerischem Krieg und dem wahren Budō, dem „Weg der Liebe". Er zog sich nach Iwama zurück, nannte seine Kampfkunst fortan Aikido und sah darin Harmonie und Liebe als Mittel, die Menschen der Welt zu vereinen. Am 26. April 1969 starb O-Sensei im Alter von 86 Jahren.
André Nocquet wurde am 30. Juli 1914 in Prahecq, Frankreich geboren. 1951 lernte er Aikido durch Meister Mochizuki kennen, 1955 ging er auf Empfehlung seines Lehrers nach Japan und wurde bis Ende 1957 der erste nicht-japanische Uchi-Deshi von O-Sensei Morihei Ueshiba.
Nach seiner Rückkehr widmete er sein Leben der Verbreitung des Aikido in Europa – sein Name lebt im Kürzel D.A.N. weiter. Er starb am 12. März 1999.
John Emmerson begleitete Meister Nocquet seit den 1960er-Jahren als Schüler. 1998 beauftragte ihn Nocquet mit der Gründung von Dynamic Aikido Nocquet (D.A.N.) International, um sein Erbe zu bewahren.
Unter Emmersons Leitung wird D.A.N. International vom Aikikai Hombu Dojo – der Schule O-Senseis – anerkannt, sodass alle D.A.N.-Schwarzgurte weltweit Gültigkeit besitzen.
Zielgruppen
Für wen ist Aikido geeignet?
Aikido eignet sich für Kinder ab 12 Jahren. Neben Koordination, Beweglichkeit und körperlicher Fitness fördert Aikido vor allem die geistige und mentale Entwicklung: Jugendliche lernen Respekt, Disziplin und Konzentration – und damit Fähigkeiten, die weit über die Matte hinausgehen.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem konstruktiven Umgang mit Konfliktsituationen. Aikido lehrt nicht das Besiegen des Gegenübers, sondern das Deeskalieren – im besten Fall werden Konflikte verbal gelöst oder ganz vermieden. Das gibt Jugendlichen ein gesundes Selbstbewusstsein und die Sicherheit, auch außerhalb des Dojos ruhig und besonnen zu handeln.
Aikido ist für Erwachsene jeden Alters geeignet – unabhängig von Fitnesslevel oder Vorerfahrung. Da es keine Wettkampf gibt, wird niemand mit anderen gemessen. Wer einfach Freude an der Bewegung hat, kann jahrelang auf demselben Grad trainieren. Wer Ziele verfolgen möchte, findet im Prüfungssystem einen klaren Weg nach oben.
Besonders für ältere Erwachsene ist Aikido eine ideale Kampfkunst: Das Training lässt sich individuell anpassen, und auch bei Prüfungen wird auf das Alter und die persönlichen Möglichkeiten Rüksicht genommen. Aikido fordert keinen Hochleistungssport – sondern lädt ein, die eigenen Grenzen in eigenem Tempo zu erkunden.
Einblick
Was erwartet mich im Training?

Fallschule
Die Fallschule bildet die Grundlage jedes Aikido-Trainings. Bevor Würfe und Hebel ausführlich geübt werden, lernt man zunächst, sicher auf dem Boden aufzukommen – denn wer gut fallen kann, kann bedenkenlos geworfen werden.
Im Training werden Vorwärtsrollen (Mae Ukemi), Rückwärtsrollen (Ushiro Ukemi) sowie das Freifallen geübt – eine Vorwärtsrolle, bei der der Körper ohne Bodenkontakt durch die Luft gleitet. Das Ziel ist immer dasselbe: kontrolliert und unverletzt auf dem Boden ankommen, indem der Aufprall auf die richtigen Körperstellen verteilt wird.
Würfe & Hebel
Im Aikido unterscheidet man fünf Grundhebel und fünf Grundwürfe, die den Einstieg ins Techniktraining bilden. Auf dieser Basis werden mit wachsender Erfahrung weitere Techniken erlernt.
Bei nahezu allen Würfen und Hebeln unterscheidet man zwei Ausführungsformen: Irimi – die eintretende Bewegung, bei der man direkt in den Angriff eintritt – und Tenkan – die ausweichende Drehbewegung, bei der die Angriffsenergie umgeleitet wird. Diese beiden Prinzipien ziehen sich durch das gesamte Aikido-Training.
Persönliche Entwicklung
Aikido ist mehr als eine Kampfkunst – es ist ein Weg zur persönlichen Entwicklung. Regelmäßiges Training schult Geduld, Respekt und Rücksichtnahme im Umgang mit anderen. Diese Werte entstehen ganz natürlich durch das partnerschaftliche Miteinander auf der Matte.
Mit der Zeit wächst auch das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten – und damit ein Selbstbewusstsein, das über das Dojo hinauswirkt. Wer kontinuierlich trainiert, bemerkt oft, dass er Situationen ruhiger und gelassener begegnet als zuvor.
Waffentraining
Wer im Aikido fortschreitet, begegnet irgendwann den Waffen – ein Schritt, der das Training um eine neue Dimension erweitert. Alle Waffen bestehen aus Holz und dienen dazu, Bewegungsprinzipien des Aikido noch klarer zu verstehen.
Es wird mit drei Waffen gearbeitet: dem Tanto (Messer), dem Jo (Stab) und dem Bokken (Holzschwert). Das Waffentraining schult Präzision, Distanzgefühl und Körperbewusstsein – und vertieft gleichzeitig das Verständnis für die waffenlosen Techniken.
